Montag, 4. Februar 2013

[Buch] Martin Niessen: Der kleine Japaner

eBook
Genre: Reisebericht
Sprache: Deutsch
Verlag: dotbooks
Seitenanzahl: 278

Nun rezensiere ich doch tatsächlich mein erstes eBook - und das ganz ohne vorhandenen eBook-Reader! Dank Firefox-Add-on war es aber kein Problem, den Reisebericht von Martin Niessen - inklusive zahlreicher Farbbilder - trotzdem zu lesen.

In 36 kurzen Kapiteln berichtet der Autor von seinem Aufenthalt als Korrespondent des ZDF im fernen Japan kurz nach dem Atomkraftwerk-Unfall in Fukushima. Er erzählt von Mülltrennung, Fussball und Nudelsuppenautomaten, von Mode, Essen und dem öffentlichen Nahverkehr - und versucht dies alles humorvoll zu verpacken. Ob dieser Humor jedem gefällt, ist natürlich Ansichtssache. Dazu aber später mehr.

Leider bekommen gerade Menschen, die noch nicht so viel von Japan wissen, nicht immer ein wirkliches Bild von diesem Land, da der Autor zu ziemlichen Übertreibungen neigt. Ein Beispiel aus dem Kapitel "Mülltrennung für Fortgeschrittene": Es gibt kaum öffentliche Mülleimer in Tokyo, weil die ordnungsliebenden Japaner so ihren Müll ja nicht vernünftig trennen können? - Nein. Entweder wusste Niessen es nicht besser oder die Information ging auf Kosten des Witzes verloren, jedoch gibt es einen wirklichen Grund für diese Tatsache. In den 90er Jahren kam es vermehrt zu Anschlägen, bei denen Bomben in Mülleimern versteckt wurden. Somit wurden die Mülleimer in öffentlichen Räumen drastisch reduziert und die Japaner sind einfach zu der Übereinkunft gekommen: Wer den Müll verursacht, muss ihn einfach wieder mitnehmen. So einfach ist das. Zwar nicht so lustig, aber doch sicherlich für die Leser ein interessanter Hinweis. (Ein anderes Highlight zum Thema Unwissenheit aus einem anderen Bereich zeigt übrigens auch folgender Satz: "Nicht nur, dass es völlig normal ist, wenn ein sechzigjähriger Business-Typ auf seinem Laptop in der U-Bahn „World of warcraft“ oder irgendwelche anderen Ballerspiele spielt [...]." WoW? Ein Ballerspiel? Ist klar.)

Da das Buch jedoch auf einem persönlichen Blog beruht und Niessen keinerlei Vorkenntnisse zur Sprache, Kultur und Geschichte Japans hatte (Wenn ich gemein wäre, würde ich ja sagen, dass das ZDF bei seinen Korrespondenten nicht sehr wählerisch zu sein scheint. Wäre es nicht viel effektiver gewesen, jemanden hinzuschicken, der sich mit der japanischen Sprache und Mentalität auskennt ?...naja, egal.), kann man ihm die hin und wieder auftretende Verwirrtheit ohne Zweifel verzeihen. Schade nur, dass er einigen "Ungereimtheiten" nicht einmal auf die Spur kommen möchte und daher eher oberflächlich bleibt.

Kurz zurück zum Humor. Dieser ist - wie bereits erwähnt - nicht immer bei allen gleich. So traf der Autor nicht immer den Meinen. Man bekommt schnell das Gefühl, dass ein Gag den nächsten jagen muss. Beinah alles wird ins Lächerliche gezogen oder mit deutschen Geflogenheiten verglichen. Ja, man kann das als "sarkastisch" oder "ironisch" betiteln. Oder aber manchmal auch einfach nur als arrogant. (Beispiel aus dem Buch zum Thema Ryokan: "Wenn man ankommt, steht die ganze Orgelpfeifenfamilie Spalier, schreit als Willkommen „Irasshaimasse“ und stößt sich beim Verbeugen die Stirn am Holzboden blutig." Entscheidet selbst.) Hin und wieder ein wenig Respekt für die fremde Kultur hätte dem Buch nicht geschadet. Dadurch wirkt die Bezeichnung "kleiner Japaner", wie Niessen sich selbst nennt und womit er sich am Ende der in Tagebuchform geschriebenen Kapitel verabschiedet, ein wenig... fehl am Platz.

Trotzdem schafft es Niessen einen umfangreichen Einblick in den japanischen Alltag zu liefern. Von Anekdoten über Love Hotels bis hin zum Ekelfaktor von Lieferservice-Flyern zeigt er Seiten auf, die man sonst eher selten in Reiseberichten findet. Zudem scheinen ihm auch ein paar Dinge in (Zitat) "Merkwürdistan" gefallen zu haben, die er (leider erst) im letzten Kapitel aufzählt. Die vielen Fotos sind gut ausgewählt und unterstreichen den persönlichen Charakter des Buches. Auch das recht ungewöhnliche und eher plakative Cover ist  passend gewählt. Wer den Humor mag - und hin und wieder mochte auch ich ihn -, wird auf alle Fälle sehr viel Spass damit haben. Und bei 4,99€ für 278 Seiten ist das eBook auch nicht gerade teuer.

Das Buch kann hier bestellt werden. Danke an Blogg-dein-Buch und dotbooks.

Bewertung: xx
Fazit: Interessante Themenvielfalt, aber anstrengender Humor.

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